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06. August 2006

QuarkXpress 7 im Test. Teil 2: PostScript Level 3

QuarkXpressQuarkXpress scheint in Version 7 endlich PostScript Level 3 vollständig zu unterstützen. Eine Reihe von Fehlerquellen und unbequemen Workarounds dürften damit in absehbarer Zukunft unnötig werden. Meine Tests ergeben in dieser Hinsicht ein rundum positives Bild.

Ein altbekanntes und sehr nervendes Problem war die mangelhafte Unterstützung von wichtigen PostScript Level 3 Sprachelementen durch die QuarkXpress-Versionen 4 bis 6. Das hat sich jetzt endlich geändert.

Smooth Shades – PostScript-Level-3-Verläufe.

Unter Smooth Shades versteht man PostScript Level 3-Verläufe, die nicht mehr wie früher aus aneinandergereihten Linien bestehen, sondern aus einem einzigen Objekt, das eine Verlaufsdefinition trägt, wobei die Auflösung des Verlaufs in Farbabstufungen erst im RIP erfolgt und über den Smoothness-Faktor vorgegeben bzw. definiert werden kann. Erst diese neue Verlaufstechnik ermöglicht seit Einführung von PostScript Level 3 stufenlose Verläufe ohne Treppen oder sichtbare Abstufungen.

Bis zur Version 6.5 war QuarkXpress nicht in der Lage, diese Verläufe selbst auszugeben. Um trotzdem hochwertige Verläufe in PDFs aus QuarkXpress zu ermöglichen, hat Adobe seit Version 5 den Distiller um passende Idiom Recognitions erweitert, die den veralteten PostScript-Code von QuarkXpress bis Vs. 5 erkannten und durch Smooth Shades ersetzt haben. Seit Version 6 bzw. 6.5 funktionieren diese Idiom Recognitions aber nicht mehr, da sich die PostScriptausgabe von QuarkXpress verändert hat. Die Fa. impressed hat deshalb eigene Distiller-Startup Erweiterungen entwickelt, die diese Aufgabe übernehmen, die sie allerdings nur ihren eigenen Kunden zur Verfügung stellen.

In Version 7 scheint diese absolut grundlegende Funktionalität endlich nativ in Quark implementiert zu sein. Ich habe folgende Szenarien getestet:

  • einfacher Verlauf von CMYK-Farben
  • komplexer Verlauf zwischen einer CMYK-Farbe und einer Pantone-Sonderfarbe. Dieser Verlauf erfordert neben der Smooth Shade Unterstützung auch den Farbraum DeviceN, der allerdings bereits seit Version 6.x von QuarkXpress gegeben ist.

Beide Verläufe wurden in QuarkXpress angelegt, und anschließend wurde über Export sowie über Distiller ein PDF erstellt. In beiden Fällen ergibt sich ein zufrieden stellendes Bild: Die Verläufe landen als Smooth Shade im PDF, und im zweiten Fall bleibt auch die Sonderfarbe erhalten. (Allerdings muss die Ausgabe im zweiten Fall korrekt erfolgen, nämlich im DeviceN-Farbraum; siehe hierzu weiter unten.) Da bei dieser Vorgehensweise nicht ganz auszuschließen ist, dass die Idiom Recognition des Distillers wieder greift, habe ich zusätzlich das QuarkXpress-Dokument als EPS abgespeichert und in Indesign platziert, womit die Idiom Recognition zuverlässig umgangen wird. Auch dieser Weg führte zu einem guten Ergebnis: Smooth Shades werden jetzt definitiv unterstützt, auch beim Speichern als EPS-Datei

EPS-Dateien mit PostScript-Level 3 platzieren

Bisher konnte man in QuarkXpress zwar ohne Probleme EPS-Dateien mit Level 3 platzieren, aber die entstehenden Xpressdateien konnten nur noch über eine PDF-Ausgabe bzw. über eine InRIP-Separation weiterverarbeitet werden. QuarkXpress konnte die platzierten EPS-Dateien nämlich nicht selbst separieren. Das ist jetzt in Version 7 ohne Probleme möglich.

Seite als EPS speichern

Ein altes Problem von QuarkXpress war die unzulängliche Qualität der erstellten EPS-Dateien, die über die Funktion »Seite als EPS sichern ...« erstellt wurden: fehlende Schrifteinbettung, stufige Verläufe und kein DeviceN-Farbraum (= Umwandlung von Sonderfarben in CMYK). Auch hier kann ein entscheidender Fortschritt attestiert werden: der EPS-Export von QuarkXpress 7 wirkt auf mich jetzt vorbildlich.

Man findet den Dialog unter Ablage resp. Datei – Seite als EPS sichern:

Seite als eps sichern

Alle Einstellungen können als Stil abgespeichert werden und stehen dann oben bei »EPS-Stil« zur Verfügung. Die Darstellung der Optionen ist übersichtlich und selbsterklärend. Die Schriften werden eingebettet (in Untergruppen – hier gelten im wesentlichen meine Ausführungen in Teil 1: Unicode-Schriften). In der Rubrik »Erweitert« kann der PostScript-Level gewählt werden (Level 2 oder 3).

Interessant sind vor allem die Einstellungen bei »Farbe«. Hier können einzelne Auszüge deaktiviert werden, ausserdem kann bzw. muss sogar die korrekte Einstellung gewählt werden:

Farbe-Einstellungen

Diese Einstellungen haben erhebliche Auswirkungen auf das fertige EPS:

  • Graustufen: konvertiert alle Farben zu Graustufen
  • Composite-RGB: erstellt ein EPS, in dem alle Farben nach RGB konvertiert wurden
  • Composite CMYK: ergibt ein EPS in CMYK – dabei werden Sonderfarben-Verläufe nach CMYK konvertiert.
  • Zusammengesetzte CMYK und Volltonfarben: das ist QuarkXpress-Deutsch für den DeviceN-Farbraum.
  • Unverändert: die Farben werden unverändert ins EPS geschrieben
  • DeviceN isocoated: von mir angelegt – siehe weiter unten.

DeviceN-Farbraum

Meine Testdatei enthält einen Verlauf zwischen einer CMYK-Farbe und einer Pantone-Sonderfarbe. Ausserdem enthält sie ein Graustufen-TIFF, dessen Hintergrund mit einer Pantone-Farbe eingefärbt wurde.

meine Testdatei

Eine korrekte Umsetzung in PostScript oder PDF erfordert eine Unterstützung des DeviceN-Farbraums. Seit QuarkXpress 6.x wird dieser Farbraum direkt von QuarkXpress unterstützt; vorher war es nur durch das Zusammenspiel zwischen der Creo Color TIFF Extension und einer weiteren Idiom Recognition in Distiller möglich, beim Export in ein PDF alle Sonderfarben zu erhalten. Und in ein EPS ging es gar nicht.

Diese Unterstützung wurde in QuarkXpress 7 weiter ausgebaut und lässt jetzt eigentlich nichts mehr zu wünschen übrig. Die Sonderfarben landen korrekt in der EPS-Datei und im PDF. Voraussetzung ist allerdings, dass bei der Option »Farbe« in den Exporteinstellungen die Option »Zusammengesetzte CMYK und Volltonfarben« gewählt wird.

Farbe - Einstellung

Achtung Falle: Wenn statt dessen Composite-CMYK gewählt wird, wird die Sonderfarbe in CMYK umgewandelt!

[Update]

Georg Obermayr hat mich eben darauf aufmerksam gemacht, dass es eine Möglichkeit gibt, diese Fehlerquelle zu umgehen bzw. zuverlässig auszuschalten. Allerdings muss dazu ein eigener Farb-Ausgabestil definiert werden (was man im Interesse eines ordentlichen Farbmanagements sowieso machen sollte, aber dazu in einer späteren Folge mehr). Neue Farb-Ausgabestile definieren Sie über das Menü Bearbeiten – Farbeinstellungen – Ausgabe ... (Achtung: nicht Menü Bearbeiten – Ausgabestile!):

Farbeinstellungen - Ausgabe

Erstellen Sie eine neue Einstellung durch Klick auf die Taste »Neu«:

Neue Einstellung anlegen

Der Name ist beliebig, ich nehme »CMYK-Sonderfarben-IsoCoated«, damit ich später genau weiß was der Stil tut. Der Modus bleibt auf »Composite«, also keine Farbauszüge, und der Modus der Ausgabeoptionen wird auf CMYK gestellt – entgegen meiner Ausführungen von oben funktioniert das, allerdings nur, wenn die Checkbox »Volltonfarben zu Prozessfarben wandeln« deaktiviert wird. QuarkXpress 7 ist offensichtlich in der Lage selbsttätig den DeviceN-Farbraum zu aktivieren, wenn er benötigt wird.

Um ein ordentliches Farbmanagement zu ermöglichen, sollten Sie bei »Profil« eines der ECI-ICC-Profile einstellen, zum Beispiel wie oben »Iso Coated« für Illustrations-Offset mit Papierklasse 1/2. Allerdings steht dieses ICC-Profil nicht automatisch zur Verfügung, Sie müssen es zuerst bei www.eci.org herunterladen und installieren. Für Offset wählen Sie das Paket »ECI_Offset_2004.zip« im Abschnitt »ICC-Profile der ECI«. Packen Sie das Archiv aus, und legen Sie die ICC-Profile unter OS X in den Ordner /Library/ColorSync/Profiles. Nach einem Neustart von QuarkXpress sollten diese Profile dann in den Dialogen zur Verfügung stehen. Ich werde auf das Thema Farbmanagement in einem späteren Teil noch genauer eingehen.

Der so definierte Farb-Ausgabestil steht danach sowohl beim PDF-Export wie auch beim EPS-Erstellen zur Verfügung.

pdf-Ausgabe

Wenn Sie eigene Farb-Ausgabestile anlegen, müssen Sie nicht aufpassen, ob Sie DeviceN verwenden oder nicht – lassen Sie einfach die Option »Volltonfarben zu Prozessfarben wandeln« aus, dann kann nichts mehr passieren. Die mitgelieferten Stile dürfen Sie dann allerdings nicht verwenden.

Fazit

Die Unterstützung der wesentlichen PostScript Level 3 Konstrukte – EPS-Dateien mit Level 3, Smooth Shades und DeviceN-Farbraum – wurde in Version 7 erheblich verbessert und entspricht jetzt dem Stand der Technik. Die Benutzerführung erlaubt ein Abspeichern der Exporteinstellungen als Sets (Stile genannt) und bietet damit guten Komfort. Man darf allerdings nicht vergessen, bei Verwendung von Sonderfarben auf den Ausgabemodus »Zusammengesetzte CMYK und Volltonfarben« oder auf einen eigenen Farb-Ausgabestil umzuschalten, der Sonderfarben nicht in CMYK umwandelt! Sonst gibt es ein böses Nachspiel in der Druckerei ... die hat nämlich keine Chance mehr, den Fehler zu erkennen. Niemand kann einer fertigen EPS- oder PDF-Datei hinterher noch ansehen, dass einmal Sonderfarben drin waren.

Inhaltsverzeichnis

Von Peter am 06.08 um 21:05 Uhr. Kategorie: Acrobat | Mac-OS-X | Medienfachwirt | Mediengestaltung

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